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Presseberichte

Erinnern, um zu versöhnen ZVW, vom 14.11.2005 Mahnreden am gestrigen Volkstrauertag Kernen/Weinstadt (schi). „An Menschen denken, die ihr Leben verloren, aber nicht ihren Glauben“, so ging einprägsam der Mahnspruch eines Karl-Mauch-Schülers gestern bei der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag auf dem Stettener St.- Pierre-Platz. Erstmals beteiligte sich die evangelische Kirchengemeinde an der Feier. Die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag wechseln in Kernen von Jahr zu Jahr zwischen Stetten und Rommelshausen, wobei ein kostenloser Bustransfer dafür sorgt, dass Interessierte der jeweils anderen Teilgemeinde ohne Hindernisse am gemeinsamen Gedenken der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft teilnehmen können. Aus dem Sonderbus stiegen beim Gasthaus „Ochsen“ gestern aber nur drei Rommelshausener. Schüler der Karl-Mauch-Schule, der Chor des Gesangvereins Frohsinn und die Kapelle des Musikvereins Stetten rahmten die Feierstunde auf anrührende Weise mit Texten, Liedern und Blasmusik ein. Freilich dürfte die Zahl der Zuhörer einschließlich der Stettener Feuerwehrabordnung, an deren Seite sich Kameraden aus St. Pierre d’Albigny postiert hatten, die der Vortragenden kaum überschritten haben. Es sprach auf Bitten des Kernener VdK- Vorsitzenden Waldemar Egert heuer zum ersten Mal auch ein Vertreter der Kirche. Die meisten sichtbaren Wunden des Krieges seien beseitigt, sagte Pfarrer Konrad Autenrieth. Aus Sicht unseres Glaubens sei das nicht selbstverständlich. Mit dem Kanon „Dona nobis pacem“, den Autenrieth zum Schluss seinen Zuhörern verordnete, verwandelte sich mit einem Mal der ganze St. Pierre-Platz zum Gesangspodium. Altenberger: Zurückblicken, um die Zukunft zu gestalten Bürgermeister Stefan Altenberger hielt die Rede zum Volkstrauertag. An ihm wird nicht nur der gefallenen Soldaten, der Flüchtlinge und Vertriebenen bzw. Kriegsopfer in der Zivilbevölkerung, sondern auch der Opfer politischer Verfolgung gedacht. Altenberger erinnerte an den massenhaften Tod europäischer Juden in den Konzentrationslagern der Nazis. Wer in Stetten der Verfolgten der NS-Diktatur gedenkt, muss die grauen Busse wachrufen, in denen damals Behinderte aus der Anstalt Stetten abgeholt wurden. „Wir trauern um diese Menschen als Opfer des Krieges, als Opfer von Gewalt und Verbrechen“, sagte Altenberger. Der Blick zurück helfe, die Zukunft zu gestalten. Denn die Gegenwart sei noch immer von Unrecht und Krieg geprägt, gegen die anzukämpfen lohne. „Noch immer werden Menschenleben missachtet, noch immer werden Bomben geworfen und Gewalttaten verübt. Traurige aktuelle Beispiele aus den letzten Jahren sind die Balkankriege, Kriege in Afrika, die Nichtbewältigung der Konfliktsituation zwischen Israelis und Palästinensern sowie der unvergessene Terrorakt am 11. September 2001 in den USA und der anschließende Krieg im Irak.“ Deshalb sollten wir Zeitgenossen den Volkstrauertag als Gedenk- und Mahntag aller Gewaltopfer, der Opfer von Tyrannei und Gewaltherrschaft in aller Welt bis in unsere heutige Zeit verstehen. Eine alte jüdische Weisheit sage: „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung.“ Beim Ehrenmal der evangelischen Kirche in Großheppach hielt Weinstadts Oberbürgermeister Jürgen Oswald gestern Vormittag die Gedenkrede. Die Menschennatur sei nicht nur zu edlen Taten, sondern auch zu Untaten fähig, sagte er. „Und aus leidvoller und immer neuer Erfahrung wissen wir, zu welchen Untaten verführte und fanatisierte Menschen fähig sind.“ Vor dem Hintergrund, dass es seit 1945 in der Welt mehr als 160 neue Kriege gegeben habe, gebe er zu bedenken, wie brüchig die moralische Vollkommenheit des Menschen und seine Anstrengung dazu ist. Zwar gebe es Zeichen der Hoffnung. „Dennoch, wir bleiben gefährdet, und wenn es ein Vermächtnis der Toten gibt, dann dies, dass die Herstellung, Bewahrung und Verteidigung des Friedens die höchste Kunst der Politik ist. Menschenwürdiges Leben ist nur in Frieden und Freiheit möglich.“